Rauminformationen Obergeschoss

Georg, letzter König von Hannover

Der letzte hannoversche König Georg V. wurde am 27. Mai 1819 in Berlin unter den Linden geboren. Er war das einzige Kind aus der Ehe des Herzog Ernst August von Cumberland (fünfter Sohn König Georgs III. von Großbritannien) und seiner Frau Friederike von Mecklenburg-Strelitz. Seine Jugend verbrachte er abwechselnd in Berlin und England. Durch eine Krankheit verlor Georg mit neun Jahren die Sehkraft auf dem rechten Auge und durch einen Unfall mit 13 Jahren erblindete er auch auf dem linken Auge. Seine Eltern ließen nichts unversucht, ihrem Sohn zu helfen. Aber neben Praktiken wie dem Ansetzen von Blutegeln neben dem Auge, scheiterte auch eine Operation.

1837 endete die Personalunion zwischen Hannover und Großbritannien. In Hannover war eine weibliche Thronfolge ausgeschlossen. Deshalb bestieg Georgs Vater, Herzog Ernst August, den Thron in Hannover, während in Großbritannien Königin Viktoria gekrönt wurde. Georg wurde damit Kronprinz des Königreichs Hannover und seine Blindheit zum Politikum. König Ernst August musste erst die rechtlichen Voraussetzungen für die Regentschaft seines Sohnes schaffen, die 1840 in Kraft traten und Thronfolger mit körperlichen Gebrechen nicht mehr von der Nachfolge ausschlossen.

1866 verlor König Georg V. den Krieg gegen Preußen und ging ins Exil nach Österreich. Am 3. Oktober 1866 wird Hannover eine Provinz Preußens.

Schreibzimmer der Königin

Die Decken- und Wandvertäfelungen sind aus Eichenholz gefertigt. Im ersten Obergeschoss sind alle Fußböden im Original erhalten. In der Fensterfront befindet sich eine Tür, die auf einen umlaufenden Balkon um das angrenzende Turmzimmer führt.  1865 verbrachte die königliche Familie einen Sommer auf dem noch im Bau befindlichen Schloss. Sie bezogen hierfür die Räume im Obergeschoss des Südflügels.

Eine königliche Hochzeit

1839 besuchte Kronprinz Georg das Seebad Norderney und lernte Prinzessin Marie von Sachsen-Altenburg kennen und lieben. Am 18. Februar 1843 heiratete das Paar in Hannover. Für die Ehe brauchte Georg die Erlaubnis seiner Cousine Königin Viktoria von Großbritannien, da er in der britischen Thronfolge verzeichnet war.

1845 wurde Erbprinz Ernst August geboren, es folgten die Prinzessinnen Friederike (1848) und Mary (1849). In den ersten Ehejahren nahm das Kronprinzenpaar nur wenig Anteil am gesellschaftlichen Leben in Hannover und genoss ein bescheidenes und zurückgezogenes Leben. Wie liebevoll der Umgang war zeigt, dass Marie ihren Mann auch in der Öffentlichkeit Männi oder mein Engelslieber Mann nannte. Er nannte sie seine Misi.

Kronprinzessin Marie hielt sich bei ihrem Erstgeborenen noch an das Protokoll und überließ das Stillen einer Amme. Aber ihre Töchter stillte sie gegen den ausdrücklichen Wunsch ihres Schwiegervaters König Ernst August von Hannover selbst. Als Reaktion darauf, schloss er sie für diesen Zeitraum von der königlichen Tafel aus.

Fast jeden Sommer verbrachte die Familie auf Norderney, wo sie im eigens für die sie errichteten Logierhaus wohnten, ohne höfische Etikette oder Protokoll. Noch heute gibt es auf Norderney die Marienhöhe, auf der Marie sich einen hölzernen Pavillon errichten ließ, und die Georgshöhe.

Marie, Königin von Hannover

Prinzessin Marie von Sachsen Altenburg, das älteste Kind von Herzog Joseph und Herzogin Amalie von Sachen-Altenburg, wurde am 14. April 1818 geboren und bekam den Namen Marie Alexandrine Wilhelmine Katharina Charlotte Therese Henriette Luise Pauline Elisabeth Friederike Georgine. Unterrichtet wurde Marie durch den Geistlichen Carl Ludwig Nietzsche und im evangelischen Magdale-nen Stift in Altenburg.

Wohltätigkeit war ihr ein Bedürfnis. Mit Geld, das sie von ihrer Großmutter Herzogin Henriette von Württemberg erbte, gründete sie ein Diakonissenhaus für Hannover in dem Kranke gepflegt und Diakonissen (Krankenschwestern) ausgebildet wurden. Die Henriet-ten-Stiftung besteht noch heute.
Hier auf Schloss Marienburg, ihrem Eldorado, wie sie das Schloss nannte, gab es für sie einen direkten Zugang zu einem Balkon in der Kapelle. Dort stand ihr Gebetsstuhl, den sie mehrmals am Tag für ihre Gebete nutzte.

Eine königliche Familie

Nach dem Tod von König Ernst August 1851 folgte ihm Georg als König Georg V. von Hannover auf den Thron. Das Familienbild, das Georg in Auftrag gab, schuf der Hofmaler Friedrich Kaulbach 1858. Das Gemälde der Königsfamilie wurde an mehreren deutschen Höfen gezeigt. Wie auch mit anderen Künstlern pflegte das königliche Paar eine freundschaftliche Beziehung zum Hofmaler Kaulbach. Marie und Georg sprachen von ihm oft scherzhaft als dem Hohepriester.

Zu Ihren Kindern hatten beide Eltern ein liebevolles und inniges Verhältnis. Trotz der höfischen Etikette wurden die Kinder oft einfach nur wie Kinder behandelt.

1866 kam es zum Konflikt zwischen Preußen und Österreich, den Preußen für sich entscheiden konnte. Hannover, das auf Seiten Österreichs stand, wurde annektiert und eine preußische Provinz. Der Familie blieb nur das Exil in Österreich.

Erschließungszimmer

Dieser Raum ist ein reines Erschließungszimmer für die angrenzenden Räume. Das vor dem Fenster eingebautes Holzpodest führt in den Salon des Königs. Die Bogenwand, die als Raumteiler dient, wird von vier polygonalen Säulen aus Holz getragen und reicht bis unter die Ansätze des Flachtonnen-Gewölbes.

Salon des Königs

Der Salon des Königs oder auch Blaues Königszimmer genannt besaß ursprünglich eine königsblaue Wandbemalung, die nicht mehr original ist. Die helle Eichenholzausstattung findet sich in der Decke, dem Parkettfußboden und der hohen Wandvertäfelung wieder. Eine Zweiflügelige Fenstertür an der Südseite führt auf den polygonalen Balkon. Die angrenzende Bibliothek diente als Vor- und Wartezimmer. Über kleine Treppen sind die seitlichen Räume des Südflügels mit dem Salon des Königs verbunden und dienen als Erschließungszimmer.

Bibliothek des Königs

Die Bibliothek des Königs wird von den aus Eichenholz gefertigten Bücherschränken beherrscht. Ein schmales Brett diente als Buchablage. Der Raum wird durch die Holzwendeltreppe, die in den nächsten Stock führt, unterbrochen. An den Wänden befindet sich ein Muster aus Schablonenmalerei, das abwechselnd Eule und drei Olivenzweige zeigt. Beides sind Attribute von Athena, Göttin der Weisheit und häufig in Bibliotheken zu finden. Das Glasdach hat die Form eines Glashauses. Die umlaufenden Scheinfenster wurden mit Rauten versehen, in deren Zwickel stilisierte Blätter aus farbigem Glas eingesetzt sind.