Rauminformationen

Rittersaal

König Georg V. von Hannover und seine Frau Königin Marie ließen Schloss Marienburg als ländlichen Sommersitz erbauen. Das Schloss war ein Geschenk zum 39. Geburtstag der Königin. Es wurde von den Architekten Conrad Wilhelm Hase und Edwin Oppler von 1858 bis 1867 erbaut. Es sollte ein Schloss der Künste sein und diese vereinen, konnte aber nie ganz fertiggestellt werden, da das Königreich Hannover 1866 von Preußen annektiert wurde und die Königsfamilie das Land verlassen musste.

Der Rittersaal ist der größte Raum im Schloss und sollte zusammen mit dem angrenzenden Speisesaal für Festlichkeiten und Repräsentationen genutzt werden. Die Inneneinrichtung beider Säle wurde aufgrund der Kriegsereignisse von 1866 nie fertiggestellt. Eine bauliche Besonderheit sind die Fenster des Vorbaus zur Südseite, diese konnten (und können noch heute) komplett in den Boden eingelassen werden.

Gemälde

  1.  Georg I., König von Großbritannien, Kurfürst von Hannover (1660-1727)
    (Studio Godfried Kneller)
  2.  Sophie Dorothea, Herzogin zu Hannover (1666-1727), Kurprinzessin von Hannover
    Gemahlin Georg I., 1694 geschieden, lebte sie bis zu ihrem Tod in Verbannung auf Schloss Ahlden „Prinzessin von Ahlden“
  3.  Georg II., König von Großbritannien, Kurfürst von Hannover (1683-1760) Sohn Georg I. Gründer der nach ihm benannten Georg August Universität in Göttingen.
  4.  Sophie Charlotte, Königin von Großbritannien, Königin von Hannover (1744-1818)
    (Alan Ramsay) Gemahlin Georgs III., mit ihm hatte sie 15 Kinder
  5.  Georg III., König von Großbritannien, König von Hannover (1738-1820)
    (Studio Nathaniel Dance)
    Enkel König Georg II., nach der Neubildung Hannovers als Königreich beim Wiener Kongress 1814, erster König von Hannover
  6. Georg IV., König von Großbritannien, König von Hannover (1762-1830)
    (Studio Thomas Lawrence)
    Ältester Sohn Georg III. Er starb, ohne einen Thronerben zu hinterlassen, ihm folgte sein Bruder Wilhelm.
  7. Wilhelm IV., König von Großbritannien, König von Hannover (1765-1837)
    (nach Thomas Lawrence)
    Aufgrund unterschiedlicher Thronfolgeregelungen in Großbritannien und Hannover endet die Personalunion
  8. Marie, Königin von Hannover (1818-1907) mit ihrer jüngsten Tochter Mary (1849-1904)
    (Theodor Friedrich Wilhelm Kaulbach)
  9. Georg, Kronprinz von Hannover (1819 – 1878)
    (Franz Krüger) Später König Georg der V. von Hannover, der „blinde König“ genannt
  10. Sophie, Kurfürstin von Hannover (1630-1714)
    geb. Prinzessin von der Pfalz
  11. Ernst-August, König von Hannover (1771-1851)
    (Karl Wilhelm Friedrich Oesterley) 5. Sohn Georgs III., wird 1837 König von Hannover. Vater von König Georg V. Bekannt ist sein Reiterdenkmal in Hannover vor dem Hauptbahnhof
  12. Anna Stuart, Königin von England, Irland und Schottland (1665-1714)
    (Edmund Lilly)
    ab 1707 Königin von Großbritannien und Irland
  13.  Sophie, Prinzessin von der Pfalz (1630-1714)
    ab 1692 Kurfürstin von Hannover
  14. Ernst August, Kurfürst von Hannover (1629 – 1698)
    ab 1692 Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg, genannt Kurfürst von Hannover

Speisesaal

Der Speisesaal war für festliche Abendessen vorgesehen, die täglichen Essen im Familienkreis fanden in einem kleineren Speisezimmer statt. Beide Räume waren von der Küche im Keller aus schnell zu erreichen.
Die beiden Wandteppiche stammen aus dem 17. Jahrhundert und wurden von flämischen Meistern gewebt. Sie zeigen biblische Motive des neuen Testaments: Links Die Bücherverbrennung von Ephesus und rechts Paulus im Gefängnis.

Gemälde

  1. Sophie Dorothea, Königin in Preußen (1687-1757)
    Geb. Prinzessin von Hannover
    Tochter von Georg I. und Sophie Dorothea d. Ä., Gemahlin Friedrich Wilhelms I. von Preußen („Soldatenkönig“), Mutter König Friedrich II. von Preußen
  2. Georg, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg-Calenberg (1582-1641)
    Vater von Kurfürst Ernst August von Hannover
  3. Ernst, Herzog zu Braunschweig-Lünebug (1520-1546)
    Unterschrieb 1530 beim Reichstag in Augsburg das evangelische Glaubensbekenntnis („Ernst der Bekenner“) und trieb die Reformation in seinem Land voran.
  4. Henry Stuart, Lord Darnley (1545-1567)
    (Nachfolger von Hans Eworth)
    Der Sohn von Maria und Henry Stuart war König Jakob VI. von Schottland. Bestieg 1603 als König Jakob I. auch den englischen Thron. Er war der Großvater der Kurfürstin Sophie von Hannover.
  5. Maria Stuart, Königin von Schottland (1542-1567)
    (nach Daniel Mytens)

Salon der Königin

Der Salon erhielt eine besonders aufwendige Ausstattung, denn hier wollte Königin Marie ranghohe Gäste empfangen. Aufwendige Schnitzarbeiten und die edlen Hölzer Eiche, Ahorn und amerikanischer Nussbaum machten die Fertigung der Decke zu einer der teuersten im Schloss.

Das Rosenmuster an den Wänden der drei Repräsentationsräume wurde mittels Schablonen auf Papiertapeten aufgetragen. Die Marmorbüsten auf dem Kamin zeigen die beiden Töchter von König Georg V. und Königin Marie Prinzessin Mary (links) und Prinzessin Friederike (rechts).

Gemälde

  1. Joseph, Herzog von Sachsen-Altenburg (1789-1868)
    (Theodor Friedrich Wilhelm Kaulbach, 1861)
    Vater von Königin Marie
  2. Friederike, Königin von Hannover (1778-1841)
    geb. Herzogin von Mecklenburg-Strelitz
    Mutter Georgs V.
    Stifterin des nach ihr benannten Krankenhauses „Friederikenstift“ in Hannover
  3. Marie, Kronprinzessin von Hannover (1818-1907)
    (Joseph Karl Stieler, 1848)
  4. Georg, Kronprinz von Hannover (1819-1878)
    (Joseph Karl Stieler, 1848)
  5. Ernst August, König von Hannover (1771-1851)
    (Karl Wilhelm Friedrich Oesterley)
    Vater von König Georg V.
  6. Elisabeth, Großherzogin von Oldenburg (1826-1896)
    (Joseph Karl Stieler)
    geb. Herzogin von Sachsen-Altenburg
    Schwester von Königin Marie

Wohnzimmer der Königin

Das Wohnzimmer bildet zusammen mit dem Salon und dem Boudoir, die Repräsentationsräume von Königin Marie.Diese Räume konnten, im Gegensatz zu einigen anderen, wie geplant fertiggestellt werden.
Die Decke ist aus Nussbaum-, Eichen- und Ahornholz gefertigt. Um die Einfassung der Befestigung für den Deckenleuchter wurde ein Hinweis auf die Bauherrin eingefügt. Zu sehen ist jeweils ein stilisiertes „M“, mit aufgesetzter Krone. Die Decken und Parkettböden wurden in jedem der Räume unterschiedlich gearbeitet.
Für die Einrichtung ihrer Repräsentationsräume wählte die Königin Möbel aus Rosenholz mit Bronze- und Porzellanverzierungen.

Die Gouache Bilder an den Wänden malte Johann Heinrich Wilhelm Kretschmar (1806-1897). Sie zeigen einen Teil der Besitzungen (Domänen) der hannoverschen Königsfamilie, weitere befinden sich in anderen Räumen des Schlosses. Insgesamt gab es mehr als 50 Domänen.
Mit den erwirtschafteten Einnahmen aus der Landwirtschaft dieser Besitzungen bestritt die Königsfamilie ihren Hofstaat und finanzierte den Bau von Schloss Marienburg.
Die Porzellanteller zeigen Städtebilder aus dem Königreich Hannover und dem Herzogtum Sachsen-Altenburg, der Heimat von Königin Marie.

Boudoir der Königin

Das Boudoir war das kleine private Wohnzimmer der Königin.
Die Decke und Wandvertäfelung wurden aus Eichenholz gefertigt. Das Kalenderblatt auf dem Kalender über dem Sekretär zeigt den 23. Juli 1867. Es war der letzte Tag, den Königin Marie auf ihrem Schloss verbrachte. Dann folgte sie König Georg V. ins Exil nach Österreich. Auf der Ablage befinden sich Fotos der königlich hannoverschen Familie sowie ihrer dänischen und russischen Verwandtschaft.

Gemälde

  1. Georg V., König von Hannover (1819-1878)
    (Conrad L`Allemand)
    Starb 1878 bei einem Aufenthalt in Paris und wurde in England, in der Gruft von Windsor Castle, beigesetzt.
  2. Marie, Königin von Hannover (1818-1907)
    Starb im Exil in Österreich und wurde in Gmunden am Traunsee beigesetzt. Sie hat das Schloss niemals wiedergesehen.
  3. Reiterbild König Georgs V. und des Kronprinzen Ernst August
    (Conrad L`Allemand)
    Der König inspiziert seine Truppen 1866.
  4. Ernst August, Herzog von Cumberland (1845-1923)
    (J. Pitcher)
    Vormals Kronprinz von Hannover, Sohn von Georg V. Nach dem Tod seines Vaters nahm er dessen britischen Titel als Herzog von Cumberland und Teviotdale an. Verheiratet mit Prinzessin Tyra von Dänemark.
  5. König Georg V., Königin Marie und Ihre Kinder Ernst August, Friederike und Mary. Es handelt sich um schwarz-weiß Fotographien, die per Hand mit Aquarellfarben koloriert wurden.
  6. Joseph, Herzog von Sachsen-Altenburg (1789-1868)
    Vater von Königin Marie

Bibliothek der Königin

Die Deckenmalerei des Schirmgewölbes wurde mit Blattgold verziert. Verwendet wurden Naturfarben, die man aus Pflanzen und Mineralien herstellte und deren Leuchtkraft bis heute erhalten ist.
Durch einen Sturmschaden im Februar 1867 wurden die Malereien in der Bibliothek stark beschädigt. Als man sie Jahre später notdürftig restaurierte, benutzte man modernere Farben, die mit der Zeit verblasst und fleckig geworden sind. Die Medaillons an der Decke zeigen die Portraits deutscher Dichter und Denker des Mittelalters.

Die Seitenborde der Eichenschränke und alle Details der Dekoration wurden aus einem Stück Holz herausgearbeitet. Der große Tisch in der Mitte war Lese- und Schreibtisch. Auf die Spitzen rundherum waren kleine geschnitzte Holzfiguren aufgesetzt. Sie sind leider nicht erhalten.
Die Beschläge der unteren Schranktüren (Langbänder) wurden aufwendig aus Schmiedeeisen und nicht, wie es bereits gängig war, aus Gusseisen gefertigt. Dadurch war die Herstellung der Beschläge letztendlich das teuerste an den Schränken.

Auf den Bücherschränken stehen Büsten von (beginnend rechts vom Kamin): Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), Martin Luther (1438-1546), Ludwig van Beethoven (1770-1827), Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Christoph Willibald Gluck (1714-1787), Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), Friedrich Schiller (1759-1805) und Joseph Haydn (1732-1809).

Wohnzimmer der Prinzessinnen

Dieser und die folgenden Räume (hinter den Glasscheiben) waren für die Prinzessinnen Friederike und Mary vorgesehen. Es handelt sich um ein kleines Wohnzimmer, ein Studierzimmer und einen Salon. Die Decken in diesen Zimmern sind aus bemaltem Tannenholz und die Täfelungen aus Eiche.
Der Schrank verziert mit Perlenstickerei und Perlmutteinlagen war ein Hochzeitsgeschenk von hannoverschen Kaufleuten an König Georg und Königin Marie 1843.

Hinter der Glasscheibe: Das Studierzimmer der Prinzessinnen.

Gemälde

  1. Friederike, Prinzessin von Hannover (1848-1926)
  2. Mary, Prinzessin von Hannover (1849-1904)
  3. Ernst August, Kronprinz von Hannover (1845-1923)
  4. Friederike, Prinzessin vom Mecklenburg-Strelitz (1778-1841)
    spät. Königin von Hannover, Mutter Georgs V.
  5. Georg, Prinz von Cumberland (1819-1878)
    spät. König Georg V. von Hannover
    Das Gemälde zeigt Georg als Kind von ca. 4 Jahren, bevor er erblindete. Noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts war es üblich, dass auch Jungen bis zum Alter von sechs Jahren Kleider trugen und rosa Bändchen oder Schleifchen, Mädchen trugen blaue.

Prinzessinnengang

Der Prinzessinnengang ist in seiner Bauweise einem Kreuzgang nachempfunden. Die Türen führen in die Räume der Prinzessinnen. Die eingebauten Schränke an der linken Wand sind aus Eichenholz und dienten zur Aufbewahrung von Bett- und Tischwäsche.

Die Medaillonbilder auf der Fensterseite sind auf Leinwand gemalt und anschließend in die Wand eingelassen. Es ist die Ahnengalerie König Georgs V.: Kurfürst Ernst-August, Herzog Georg von Calenberg, Wilhelm der Jüngere, Ernst der Bekenner, Heinrich der Mittlere und Otto der Siegreiche.

Salon der Prinzessinnen

Die Decken- und Wandmalereien im Salon der Prinzessinnen sind noch original und die Möblierung aus Nussbaum ist vollständig erhalten. Der ursprüngliche Parkettboden ist nicht mehr erhalten. Da u.a. in diesem Teil des Schlosses, nach dem Zweiten Weltkrieg, Flüchtlinge untergebracht waren, hat der Boden stark gelitten und musste entfernt werden. Aus diesem Grund sind auch die folgenden Räume, die Schlafzimmer der Prinzessinnen und der Gouvernante, nicht zu sehen. Hier ist nicht nur der Boden nicht mehr erhalten, sondern auch die Malereien an der Decke und den Wänden wurden mit Kalkfarbe übermalt.

Wendeltreppe

Die freitragende Wendeltreppe ist ein gelungenes Beispiel für die Verarbeitung von Gusseisen. Sie muss nicht von unten gestützt werden. Die Schrauben an der Wand haben für die Treppe keine tragende Funktion, sondern befestigen sie lediglich an der Wand, damit sie nicht schwankt.

Schaut man hinauf sieht man, dass die Stufen oben aufhören ohne irgendwo hinzuführen. Ursprünglich sollte es dort auf eine Aussichtsplattform hinausgehen, diese wurde aber nicht mehr fertiggestellt.

Chinesisches Zimmer

Diese Räume bildeten mit dem angrenzenden kleinen Raum die chinesischen Zimmer. In diesen beiden Räumen gibt es bauliche Besonderheiten: Die Decken wurden nicht aus Holz gefertigt, sondern aus Stuck, einer Art Gips die anschließend bemalt wurden. Auch die zwei gusseisernen Säulen, welche die beiden Räume optisch trennen, wurden nur mit einer Holzmaserung versehen. Die Verwendung von Gusseisen galt als fortschrittlich und wurde im Schloss für verschiedene Bauelemente genutzt.

Gemälde

  1. Die Schlacht bei Langensalza
    (Georg von Boddien, 1866)
    Siegreiche Schlacht für das Königreich Hannover im Krieg gegen Preußen 1866.
  2. Herzog Wilhelm von Braunschweig führt sein hannoversches Garde-Kürassier-Regiment König Georg V. vor.
    (Hermann Tunica, 1859)
    Die Parade fand auf den Nordstemmer Leinewiesen, am Fuß des Marienbergs statt.
  3. Hofjagd des Herzogs Ludwig Rudolf von Braunschweig-Wolfenbüttel im Allroder Forst (Harz)
  4. Friedrich-Wilhelm, Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel
    (1771-1815)
    Durch seine Vorliebe für die schwarze Uniform der Braunschweiger Totenkopfhusaren wurde er der Schwarze Herzog genannt. Er fiel bei Quatre Bras, einen Tag vor der Schlacht bei Waterloo.
  5. Marie, Herzogin von Braunschweig-Wolfenbüttel (1782 – 1808)
    Gemahlin Herzog Friedrich-Wilhelms

Eingangshalle

Die Eingangshalle sollte Gäste schon beim Eintritt in das Schloss beeindrucken. Die Deckenmalereien des 14 Meter hohen Sternengewölbes stammen von Leonhard Gey und wurden mit Blattgold verziert.  Dargestellt sind Allegorien der Künste:  Musik, Tanz, Architektur, Malerei, Skulptur, Zeichnen, Theater und Poesie.
Getragen wird das Gewölbe von acht polygonalen Pfeilern aus Sandstein. Die Sandsteinarbeit über der Tür zum Rittersaal zeigt die Wappen von Hannover (links) und Sachsen-Altenburg (rechts), der Heimat der Königin.

Der Fußboden besteht aus Mettlacher Platten, einer Entwicklung der Firma Villeroy und Boch. Die ringsum in den Fußboden eingelassenen Roste aus Gusseisen gehören zur Fußbodenheizung. Unter den Rosten befinden sich Eisenrohre durch die warmes Wasser geleitet wurde. Diese Heizungsart galt zu dieser Zeit als hochmodern, doch die Heizwirkung war für die großen Schlossräume nicht ausreichend.